Hugo Kauffmann

        

5. November bis 27. November 2005

Ausstellung der Galerie Gailer GbR in der Städtischen Galerie Rosenheim


Hugo Kauffmann
1844 Hamburg - 1915 Prien am Chiemsee


Ein Genremaler der Münchner Schule

Der Sohn des Hamburger Genremalers Hermann Kauffmann besuchte von 1861 bis 1863 das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt am Man, wo er Schüler bei Jakob Becker wurde. Anschließend begab er sich in die Malerkolonie Kronberg im Taunus. Es folgten Studienaufenthalte in Düsseldorf und Paris. 1871 ließ er sich in München nieder, ein Jahr darauf wurde Prien am Chiemsee sein künstlerischer und gesellschaftlicher Mittelpunkt. Dort schloss er sich einem geselligen Kreis von Künstlern und Intellektuellen an, die sich seit 1855 zur Sommerfrische in Prien einfanden und sich „Bären und Löwen“ nannten.

Innerhalb der gründerzeitlichen Genremalerei in München gehört Hugo Kauffmann zu den führenden Künstlern. Er stellte die Wiedergabe oberbayerischer Alltagsschilderungen ins Zentrum seiner Bildwelt und hatte damit so großen Erfolg, dass er bereits zu Lebzeiten zahlreiche Nachahmer gefunden hatte.

In seinen erzählerischen Darstellungen kam Kauffmanns genaue Beobachtungsgabe zur Entfaltung. Eindringliche Charakterisierung der Physiognomie und Gebären, gepaart mit einem untrüglichen Blick für Situationskomik lassen seine Bilder unbedingt authentisch erscheinen.

Seine an holländischer Genremalerei geschulte Kunst erhielt durch Franz von Defregger und die Münchner Schule koloristisch ausgerichtete Akzente.

Hugo Kauffmann verfügte über eine sehr differenzierte Maltechnik mit feiner Helldunkelwirkung, die in seinen meist kleinformatigen Schilderungen zur Blüte gelangte. Diese Arbeiten sind heute auch von der Volkskunde her interessant. Neben seiner Tätigkeit als Maler produzierte Kauffmann eine große Anzahl satirischer Graphik.


            1844         Geboren am 7. August als Sohn des Genre- und Landschaftsmalers Hermann  
    Kauffmann in Hamburg. Erster Unterricht bei den Brüdern Gensler.

1861/63     Schüler von Jakob Becker und Eduard von Steinle am Städelschen Kunstinstitut
                in Frankfurt am Main.

       1863          Aufenthalt in der Malerkolonie Kronberg im Taunus. Kontakte zu Jacob
    Fürchtegott Dielmann und Anton Burger. Orientierung an den holländischen
    Meistern Adriaen Brouwer und Adriaen von Ostade.

       1867          Studienaufenthalte im Schwarzwald und bei Anton Zwerger an der Düsseldorfer
    Akademie

       1868/70      Parisaufenthalt. Auseinandersetzung mit Courbet und Manet.

       1870/71      Während der Kriegszeit freiwilliger Krankenpfleger in Kronberg.

       1871          Übersiedlung nach München. Anschluss an Adolf Lier und seinem Kreis. 
    Zusammen mit Josef Wenglein, Josef Wopfner, Emil Hellrath und Julius Noerr
    Jagdbegleiter Liers in Emmering bei Fürstenfeldbruck. Sein Jagdhund „Perdrix“
    war sein ständiger Begleiter. Jährliche Teilnahme an Ausstellungen im In- und
    Ausland.

       1872          Am 15. Mai Eheschließung mit Johannette Crecelius (genannt: „Nettchen“) in
    Hamburg. Im Sommer Aufenthalt im Kreis von Lier, Wopfner und Wenglein am
    Chiemsee. Im Herbst erwarb Kauffmann in Prien ein beachtliches
    Hanggrundstück, das er im Lauf der Jahre zu einem feudalen Sommersitz
    ausbauen ließ. In Prien gehörte Kauffmann bald als geistiger Führer der
    Vereinigung „Bären und Löwen“ an, ein Freundeskreis von Malern wie Wilhelm
    Marc, Felix Schlesinger und Julius Noerr, angesehenen Persönlichkeiten und
    Sommergästen. Ihr Stammtisch war die „Bärenhöhle“ beim Brückenwirt am Gries,
    genannt zum Söllhuber. Man veranstaltete Ausflüge, Feste, Seefahrten,
    Konzerte und Vorträge.

       1874          Die Zeitschrift für bildende Kunst schrieb: „Kauffmanns Name verdient überall
    mitgenannt zu werden, wenn von den Besten die Rede ist, die München jetzt
    aufzuweisen hat. Er hat vor allem einen scharfen Blick für die Eigenart des
    Volkes und ein paar Pinselstriche genügen, um sie in schlagendster Weise auf
    die Leinwand zu fixieren.“

    Veröffentlichungen seiner Werke in den damaligen Zeitschriften wie der
    „Gartenlaube“, der „Deutschen Illustrierten Zeitung“ und „Vom Fels zum Meer“
    machten Kauffmann weithin bekannt.

       1878          Veröffentlichung des Zyklus „Spießbürger und Vagabunden“.

       1879          Fortsetzung mit 34 reproduzierten Zeichnung in „Biedermänner und Consorten“.
    Im gleichen Jahr erschien der Zyklus „Hochzeitsleute und Musikanten“ mit
   Versen in oberbayerischer Mundart von Karl Stieler.

       1880         Mit Beginn der achtziger Jahre konnte Kauffmann seinen zahlreichen Aufträgen
   kaum nachkommen. Viele Bilder gelangten über die Münchner Kunsthandlung
   Wimmer direkt nach Amerika. Die damals erzielten Preise (1000 Mark für kleine
   Formate) überstiegen das Jahreseinkommen eines Bauhandwerkers (700 Mark).
   Freilich erzielte Kauffmann für einzelne Bilder bis 12000 Mark.

       1883         Der Zyklus „In der Sommerfrisch“ mit Gedichten von Karl Stieler erschien.

       1886         Letzte Neuerscheinung des Zyklus „Aufi und Obi“ mit Gedichten von Peter
   Auzinger.

1886         Kauffmann betrieb Denkmalpflege, indem er das 300 Jahre alte „Zepferhäusl“ am
               Priener Marktplatz abtragen ließ und auf seinem Grundstück originalgetreu wieder
               aufbaute. Ferner erwarb er das große Wohngebäude mit Kegelbahn in der
               Rottmannstr. 17 in München.

1887         Preisdiplom der Dresdener Aquarell-Ausstellung.

       1894         Das achte Kind wurde geboren.

       1898         Bei Günzenhausen im Dachauer Land erwarb Kauffmann seine eigene Jagd. Oft
   begleiteten ihn seine Freunde Wopfner, Wenglein und Robert Schleich.

       1915         Kauffmann starb am 30. Dezember in Prien. Sein Grab liegt im alten Teil des
   Münchner Waldfriedhofs. Nach dem Tod des Künstlers kaufte der Nationalökonom
   Lujo Brentano (1844-1931) das Anwesen und die Nebengebäude.




 Hugo Kauffmann Scherzen
Öl/Holz | 1888 | 24,5 x 20,5 cm
  Bei Tagesanbruch
Öl/Holz | 1875 | 16,8 x 14,3 cm
 Hugo Kauffmann Der letzte Groschen
Öl/Holz | 1874 | 22 x 16,6 cm
Hugo Kauffmann Dirndl
Öl/Holz | 1889 | 6,9 x 5,2 cm
  Alter Wildschütz
Öl/Holz | 1879 | 17,5 x 14,8 cm
Hugo Kauffmann Mädel am Rosenstock
Öl/Holz | 1904 | 17,1 x 12,8 cm
Hugo Kauffmann Vorsichtige Annäherung
Öl/Holz | 1890 | 15,4 x 19,4 cm
  Kartenspieler am Fenster
Öl/Holz | 1877 | 16 x 18,3 cm
Hugo Kauffmann Erntetanz
Öl/Holz | 1902 | 12 x 24 cm
  Strickendes Mädchen mit Katzen
Öl/Holz | 1890 | 20 x 14,7 cm
Hugo Kauffmann Wirt, eingeschlafen
Öl/Holz | 1889 | 8,5 x 6,7 cm
Hugo Kauffmann "Gutes Bier"
Öl/Holz | 1887 | 14 x 9 cm
Hugo Kauffmann "Rette sich wer kann!"
Öl/Holz | 1897 | 11,2 x 12,8 cm
Hugo Kauffmann Rauferei
Öl/Holz | 1886 | 17,5 x 24,5 cm
Hugo Kauffmann Eingeschlafener Posanist
Öl/Holz | 1883 | 23,5 x 18 cm
 Hugo Kauffmann Plauderstunde
Öl/Holz | 1891 | 18,5 x 24,8 cm
 Hugo Kauffmann Geiger im Wirtshaus
Öl/Holz | 1875 | 23 x 32 cm
 Hugo Kauffmann Bursch und Mädel am Fenster
Öl/Holz | 1898 | 20,8 x 14 cm
 Hugo Kauffmann Wirt an der Tafel
Öl/Holz | 1888 | 8,5 x 6,7 cm
 Hugo Kauffmann Junges Glück
Öl/Holz | 1885 | 12 x 11 cm
 Hugo Kauffmann Der letzte Groschen
Öl/Holz | 1872 | 21,5 x 15,2 cm