Alfred Haushofer

 Alfred Haushofer


24. März bis 06. Mai 2001
Ausstellung der Galerie Gailer GbR in der Galerie Markt Bruckmühl


Alfred Haushofer
1872 München - 1943 Seebruck am Chiemsee


Im Ereignishorizont des Himmels

„Er war – groß von Statur, mit dem markanten, schmalen Charakterkopf – ein ausgesprochener Gesellschaftsmensch, der wie sein Großvater dem Künstlerkreis am Chiemsee Relief gab, stets von bestrickender Liebenswürdigkeit und Heiterkeit.“[i] Alfred Haushofer war am Chiemsee eine lokale Berühmtheit. Jeder kannte, jeder schätzte ihn. Seit 1907 hauste er in Seebruck, organisierte zusammen mit befreundeten Künstlerkollegen seit 1921 die Ausstellungen der „Frauenwörther“ und gründete mit seiner Frau 1925 das Café am See. „Und wer ihn gut gekannt hat – äußere Attribute besonderer Art waren der Jahrzehnte alte Trachtenhut und die beiden Dackel – weiß auch, daß er immer ein fast ebenso leidenschaftlicher Fischer wie Maler war.“[ii] Mit einer Schleppangel am Ruderboot befestigt fand man ihn oft stundenlang auf hoher See.

Obgleich Alfred Haushofer stets seinen eigenen Weg ging, richteten sich hohe Erwartungen an sein malerisches Talent. Der eingangs erwähnte Großvater war niemand geringeres als der „Entdecker“ des Chiemsee- Idylls und Begründer der Künstlerkolonie Frauenchiemsee, Maximilian Haushofer. Die Sorgen waren jedoch unbegründet. Alfreds Malstil war authentisch, ehrlich und unverkennbar. Mit schwungvoller, fleckiger Auftragsweise suchte sein malerisches Auge die reizvollen Ecken und Winkel des Chiemsees darzustellen. Hierbei sind es aber nicht immer die augenscheinlichsten Motive, die Haushofer in das Zentrum seiner Bilder rückte. Auch das Unscheinbare birgt wahre Schönheit, so lehren es seine Gemälde, die keiner romantisierenden Überhöhung bedürfen und die er vornehmlich in Tempera gestaltet. Sein Kolorit bleibt dezent, überlässt dem Motiv seine Geltung. Sie besticht nicht durch ihre Intensität, jedoch durch ihre Harmonie, Leichtigkeit und ihr Einfühlungsvermögen. Rote oder gelbe Farbtöne brachte Haushofer nur spärlich zum Einsatz. Charakteristisch für seine Kunst ist zudem der hohe, weite Himmel, der einen Großteil seiner Bilder einnahm und das dynamische Spiel der Wolken zur Schau stellt.


Franz Emanuel Maria Gailer

1872           Geboren am 16. März in München. Frühe Kontakte zu Malern und Dichtern am
                  Chiemsee.
                  Ausbildung an der Münchner Kunstakademie.
                  Langjähriger Mitarbeiter der „Jugend“ und „Fliegenden Blätter“.

1907           Übersiedlung nach Seebruck. Der Vater kauft ihm ein großes Grundstück mit einem
                  Bauernhof.
                  Ausbau zu einem stattlichen Wohnsitz mit Atelier. Hinwendung zur Natur. Die
                  Darstellung der Chiemseelandschaft wird ihm zum Lebensinhalt. Die Gemälde sind in
                  Tempera gemalt. Dies verleiht den Bildgegenständen einen klaren Umriss und der
                  Komposition einen leicht graphischen Charakter.
                 
Nach dem Tod des Vaters führt er als Chronist die Künstlerchronik von
                  Frauenchiemsee weiter.

1912           Erste Beteiligung der Jahresausstellung im Münchner Glaspalast.

1914/18      Teilnahme am I. Weltkrieg. Verschiedene militärische Auszeichnungen.

1920           Gründungsmitglied der Künstlergemeinschaft „Die Frauenwörther“ zusammen mit
                 Thomas Baumgartner, Constantin Gerhardinger und Hiasl Maier-Erding.

1921/43      Ständiger Aussteller der „Frauenwörther“ in der Torhalle auf Frauenchiemsee.

1925           Ehefrau Mathilde eröffnet das Café am See in Seebruck, im Volksmund nur Café
                 Haushofer genannt, als geselliger Mittelpunkt seiner großen Kunstgemeinde.

1928           Organisator der „100-Jahr-Feier“ der Künstlerkolonie Frauenwörth.

1943           Haushofer stirbt am 4. Juli in Seebruck. Sein Grab befindet sich auf dem
                 Inselfriedhof von Frauenchiemsee. Er hinterlässt Ehefrau und zwei Töchter.

1992           Gedächtnisausstellung in der Torhalle Frauenchiemsee.


[i] Zeitungsausschnitt: Herbert Caspers: Alfred Haushofer. Ein Maler des Chiemsees, unbekannte/s Zeitung + Erscheinungsdatum, Archiv Gailer.

[ii] Ebd.

Alfred Haushofer Hochwasser am Chiemsee
Tempera | 1923 | 60 x 80 cm
Durchbrechende Sonne
Tempera | um 1924 | 52 x 72 cm

Chiemseeufer mit zwei Booten
Tempera | 1925 | 47 x 61,5 cm

Alfred Haushofer Die Fraueninsel im Dunst
Tempera | um 1925 | 47 x 61 cm
Alfred Haushofer Letzte Sonne
Tempera | um 1925
 Alfred Haushofer Blick zur Fraueninsel
Tempera | 1927 | 52,5 x 71 cm
 Alfred Haushofer Birken am Waldrand
Tempera | um 1925 | 82 x 73 cm
 Alfred Haushofer Am Gstadter Ufer
Tempera | um 1924 | 48 x 59 cm

Uferpartie am Morgen bei Seebruck
Tempera | um 1925 | 50 x 60 cm

Alfred Haushofer Blick zur Fraueninsel
Tempera | um 1924 | 53,5 x 67 cm
Alfred Haushofer Der Chiemsee im Herbst
Tempera | um 1925 | 64 x 78 cm
Alfred Haushofer Chiemseeufer im Sonnenlicht
Tempera | um 1925 | 67,5 x 82 cm
Alfred Haushofer Blick zur Fraueninsel
Tempera | 1919 | 51 x 71 cm
Alfred Haushofer Uferpartie am Chiemsee
Tempera | um 1925 | 50 x 60 cm
Alfred Haushofer Bauernhof an der Kampenwand
Tempera | um 1925 | 48 x 61,5 cm
 Alfred Haushofer Der Chiemsee im Winter
Öl/Leinwand | um 1920 | 64 x 90 cm
Alfred Haushofer Am Chiemsee
Tempera | um 1924
Alfred Haushofer Eispressung am Chiemsee
Tempera | 1924 | 48,5 x 63 cm
Alfred Haushofer Blick auf Prien
Tempera | um 1924 | 36,2 x 45 cm