Thomas Baumgartner

 Thomas Baumgartner


Eine Auswahl vergangener Ausstellungsexponate


Thomas Baumgartner
1892 München - 1962 Kreuth


Der Bauernmaler aus der Point

"Zu den Künstlern, die nach der Jahrhundertwende in München zu einem Begriff wurden, zählte der junge Baumgartner. In einer vierjährigen Lehrzeit als Dekorationsmaler gewann er die festen handwerklichen Grundlagen für seine Künstlerschaft, die er an der Münchner Akademie von 1911 bis 1916 unter Angelo Jank vervollkommnete. Studienreisen führten ihn nach Holland und Italien. Lange Zeit war er in Griesbach im Rottal und in Simbach/Inn tätig, unter Bauern und Jägern lebend, ganz seiner ureigenen bayerischen Kunst hingegeben. Nach dem Ersten Weltkrieg malte er mit den Malern Maier-Erding und Gerhardinger am Chiemsee und wurde zum Mitbegründer der bekannten Künstlervereinigung "Die Frauenwörther". Nach seiner Heirat zog Baumgartner nach Point bei Kreuth im Tegernseer Tal. Von dort stammen die Arbeiten der letzten 20 Jahre: Motive von Bauern und Bäuerinnen im Stall, beim Nachtmahl und beim Feierabend. Köstlich wirkende Familienbilder aus dem bäuerlichen Leben, mit Leiblscher Kraft und Natur ausgestattet, waren der Anziehungspunkt bei großen, auch internationalen Kunstausstellungen. In allen seinen Arbeiten ist das handwerkliche Geschick Baumgartners sichtbar, das seine Künstlerschaft einleitete. In seinen späteren Jahren ging er leidenschaftlich auf die Jagd und war daher künstlerisch nicht mehr sehr produktiv. Er pflegte mit dem Hause Wittelsbach regen Kontakt. Baumgartner liegt an der Seite seines Freundes, des Kiem Pauli, im kleinen, schönen Friedhof von Kreuth am Tegernsee begraben."

Fritz Aigner
(Aus: Aigner, Fritz: Maler am Chiemsee, Prien 1983, S. 358.)

„Mit Leibl’scher Kraft und Naturwahrheit“[i] näherte sich Baumgartner der Darstellung. Besonders prägnant ist hierbei seine äußerst detaillierte Oberflächengestaltung. Jede einzelne Falte seiner eindringlichen Porträts ist mit überaus hoher Sorgfalt auf die Leinwand übertragen worden. Sie erzählen in ihrer Ausdrucksstärke nicht nur von des Künstlers Geschick, sondern gewähren gleichfalls einen tieferen Einblick unter die Physiognomie der Dargestellten. „Er geht […], denen er nahezukommen hoffen darf, mit solcher Energie zu Leibe, daß sie ihr Letztes und Heimlichstes an Wesentlichen offenbaren müssen […]“, schrieb Richard Braungart 1921 über die Kunst des gebürtigen Münchners.[ii] Der ehrliche und ungekünstelte Vortrag entsprang einer inneren Notwendigkeit Baumgartners, ist gleichsam sein künstlerisches Fatum. Es sind stets (unverkennbare) Individuen, deren markante Züge er in seinen Werken verewigte. „Und es ist fast nicht möglich, Namen wie [Hans] Holbein [1498-1543] und [Wilhelm] Leibl [1844-1900] in Zusammenhang damit nicht zu nennen.“[iii] Früh war Baumgartner als hervorragender Porträtist anerkannt und wurde mit Aufträgen von König Ludwig III. oder dem Generalmusikdirektor Hans Knappertsbusch bedacht.

Franz Emanuel Maria Gailer


[i]Fritz Aigner: Thomas Baumgartner (1892-1962), in: Kat. Ausst. „Gemäldeausstellung 1986. Herrenchiemsee – Frauenchiemsee“, hrsg. v. Gemeinde Frauenchiemsee (Herrenchiemsee, Bibliotheksaal im Alten Schloss, 11.05. – 28.09.1986), Frauenchiemsee 1986, o. S.
[ii]Richard Braungart: Thomas Baumgartner, in: Westermanns Monatshefte, 66. Jg., Bd. 131, Teil 1 (Sept. – Nov. 1921), S. 141.
[iii]Ebd., S. 142.

Thomas Baumgartner Fischermädchen
Öl/Leinwand | um 1950 | 82 x 68,5 cm
Thomas Baumgartner Der alte Garber
Öl/Holz | 1932 | 59,5 x 49,5 cm
Thomas Baumgartner Ungleiches Paar
Öl/Holz | um 1933 | 90 x 78 cm
Thomas Baumgartner Bauernmädchen
Öl/Hartfaser | um 1925 | 33 x 27 cm
Thomas Baumgartner Tegernseer Bauer
Öl/Hartfaser | um 1924 | 50 x 40 cm
  Bauernmädchen mit Schleife
Öl/Holz | 1918 | 32,6 x 24,3 cm
Thomas Baumgartner Selbstbildnis
Öl/Holz | um 1920 | 49,5 x 35,5 cm
Thomas Baumgartner In der Stub'n
Öl/Leinwand | 1920 | 97 x 76 cm
Thomas Baumgartner Frau in Bückeburger Festtagsstracht
Öl/Leinwand | 1915 | 122 x 100 cm
 Thomas Baumgartner Junge Frau mit Kopftuch
Öl/Holz | um 1925 | 45 x 38 cm