Julius Exter

 Julius Exter


Eine Auswahl vergangener Ausstellungsexponate


Julius Exter
1863 Ludwigshafen am Rhein - 1939 Übersee am Chiemsee


Ein "Farbenfürst" und seine Sommermalschule   

Das Moränengebiet um den Chiemsee birgt unzählige Naturschönheiten - Moorflächen und Seen, sanfte Hügel, tief eingeschnittene Senken, Baumgruppen, von Bächen unterbrochene Blumenwiesen, Schlösser, kleine Kapellen, Feld- und Wegkreuze, wundervolle Aussichtspunkte, die den Blick auf den See oder die imposante Alpenkulisse freigeben, verstreute Weiler, Einöden und malerische Dörfer wie Hittenkirchen, Gstadt und Feldwies. Die Kulturlandschaft war damals noch weitgehend ursprünglich und unberührt und bot für denjenigen, der Ruhe und Abgeschiedenheit suchte, ein ideales Betätigungsfeld. Es verwundert nicht, daß dieses herrliche Fleckchen Erde viele Künstler anzog.

Im August 1897 unternahm der Maler Julius Exter (1863-1939) in Begleitung seiner Verlobten, der Darmstädter Malerin Judith Anna Köhler (1868-1952) und des Berliner Malers Franz Skarbina (1849-1910) eine Reise an den Chiemsee. Bereits im Jahr darauf kehrte Exter als frisch Verheirateter an den Chiemsee zurück, wo er in einem Quartier in Übersee seine Flitterwochen verbrachte. Für seine private Malschule pachtete Exter unweit des Sees den alten Lachsganghof.

Bereits im Herbst 1890 hatte der damals 27jährige eine Malschule in München gegründet. In einem Brief an die Mutter heißt es: „... vor ein paar Tagen habe ich einen Anschlag in der Akademie machen lassen, worin ich die Schule für junge Leute ankündige; Professoren haben mir ihre Mithilfe versprochen. Gestern kam schon die erste Anfrage, und zwar von 2 Damen, ob ich auch gesonnen sei, Damen Unterricht zu erteilen; ich schrieb natürlich gleich zurück ja und zu folgenden hier üblichen Bedingungen: für jedesmalige Correctur, die circa 15 Minuten bis ½ Stunde in Anspruch nimmt, 5 Mark. Sollten sich mehrere finden, zusammen in einem Atelier, so bekomme ich von jeder pro Monat 20 Mark“ (1). Die Malschule gewann an Profil und zog im Laufe der Jahre Schüler und Schülerinnen aus allen Teilen der Welt an. Zeitweise unterhielt Exter mit dem Bildhauer Mathias Gasteiger (1871-1934) eine Bildhauer- und Malschule mit Sommersitz in Schloß Deutenhofen bei Dachau.

Julius Exter gehört zu den Wegbereitern der modernen Malerei in Deutschland. Wegen seines außergewöhnlichen Farbensinns erhielt er von Kollegen den Beinamen „Farbenfürst“ verliehen. Exter war ein Suchender, der von den gegensätzlichen Kunstströmungen am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfaßt wurde. Die Auseinandersetzung mit den Symbolisten um Arnold Böcklin (1827-1901) und Franz von Stuck (1863-1928) wurde ihm zum zentralen Anliegen. Konsequent ging Exter seinen Weg, der im expressiven Spätwerk mit dem Schwerpunkt Landschaft, Akt im Freien und Porträt einen Höhepunkt erfährt.

1902 erwarb Exter als Sommersitz für die Familie in Feldwies das alte „Stricker- oder Schwaben-Häusl“, das nach dem Umbau zugleich als Standort für seine Malschule diente. Die Malschüler logierten in den umliegenden Privathäusern. Geselliger Treffpunkt am Abend war der Gasthof Feldwies. Ein Werbeschild mit der Aufschrift „Malschule Prof. Exter - Sommer-Semester in Uebersee am Chiemsee - Akt im Freien - Landschaft“ beflügelte die Phantasie der ländlichen Bevölkerung. Und so kam es, daß manche der jungen Burschen anstatt zu arbeiten, durch das bewachsene Ufergebiet bei Feldwies schlichen, um einen Blick auf die bezahlten Aktmodelle und der oft nicht minder hübschen Malschülerinnen zu erhaschen. Zusätzlich sorgte die expressive Malweise - kräftige Farbigkeit, flüssige Pinselführung und Reduzierung auf das Wesentliche - für Aufsehen. Der Kunstkritiker Alexander Heilmeyer bezeichnete die Aktbilder als „nackte Menschenleiber am Strand, die wie Fackeln glühen ...“ (2). Die kleine Pleinair-Malgruppe um Exter drang intensiv in das Mysterium von Licht, Farbe und Atmosphäre ein. Im Winterhalbjahr fand der Unterricht in Exters Münchner Atelier in der Schellingstrasse statt.

Zu den ersten und zugleich begabtesten Schülerinnen in Feldwies gehörte die Serbin Nadêzda Petrovic´(1873-1915). Beide verband eine über die Chiemseezeit hinaus bestehende Freundschaft. Petrovic´ hat Exters Malstil in die moderne Malerei Jugoslawiens impliziert und zählt heute zur Schlüsselfigur der serbischen und jugoslawischen Kunst unseres Jahrhunderts.

Die Blütezeit der Münchner Künstlerfeste fiel in jene Epoche, die man als Prinzregentenzeit bezeichnet. Es waren besonders reiche und farbige Feste, originell in den Einfällen, mit ungeheuerer Prachtentfaltung an Dekorationen und Kostümen und konsequent in der Durchführung. Sie standen unter einem bestimmten Thema mit geheimnisvollen Namen wie „Am Meeresgrund“, „In Arkadien“, „Unterwelt-Fest“, „Laurins Zaubergarten“ und nur die „Vorstadthochzeit“ hat bis in unsere Zeit überdauert.

Exter, der unzählige dieser Künstlerfeste miterlebt und mitgestaltet hatte, machte am Chiemsee selbst als Veranstalter phantasievoller Seefeste mit girlandengeschmückten Booten von sich reden. Im Mittelpunkt eines im August 1911 von Exter initierten Künstlerfestes stand eine 11m hohe Statue der „Pallas Athene“, die Schutzgöttin der Kunst, angefertigt von den Malschülern.

Im August 1914 - der Erste Weltkrieg hatte soeben begonnen - reisten sämtliche Malschüler von Feldwies ab. Im Dezember 1916 mußte die Malschule endgültig geschlossen werden, da sich nur noch vereinzelt Schüler eingefunden haben. Exter geriet in finanzielle Nöte, hinzu kam die Scheidung von seiner Frau im April 1917. Ein Selbstporträt aus diesem Jahr zeigt einen verzweifelten Menschen. Exter blieb mit seinem Sohn Karl (1902-1987) in Feldwies und widmete sich ganz der Malerei. Im Dezember 1931 schrieb Exter an seine geliebte Tochter Judith (1900-1975): „Kein Gold kann ich ihr hinterlassen, aber Bilder, die Gold wert sein sollen ...“ (3). Nach dem Tod des Malers setzte Judith Exter im Jahre 1973 den Freistaat Bayern, vertreten durch die Bayerische Verwaltung der staaatlichen Schlösser, Gärten und Seen, als alleinigen Erbe ein.

1)   Elmar D. Schmid: Julius Exter. Aufbruch in die Moderne, München 1998, S. 19f.
2)   Kat. Ausst. "Julius Exter. Unbekannte Werke aus dem Nachlaß seiner Schülerin Olga Fritz-Zetter", hrsg. v.  Elmar D. Schmid, Übersee 1996, S. 3.
3)   Elmar D. Schmid: Julius Exter. Aufbruch in die Moderne, München 1998, S. 44.

Im Herbst, Dorflandschaft Feldwies am Chiemsee
Öl/Karton | um 1920 | 48,7 x 68 cm

Julius Exter In der Feldwies
Öl/Leinwand | um 1915 | 80 x 60 cm
  Zwei Akte, liegend. Sonniger Aktplatz
Öl/Leinwand | 1909 | 50 x 61 cm
 Julius Exter Abendstimmung am Bach
Öl/Leinwand | um 1902 | 50 x 65 cm
Julius Exter Kampenwand
Öl/Karton | um 1920 | 15 x 24 cm
See mit Wolken (Chiemsee)
Öl/Karton | um 1925 | 32,5 x 45 cm
  Blumenweg zur Veranda am Exter-Haus
Öl/Leinwand | um 1920 | 80 x 100 cm
Julius Exter Bauernmädchen mit Kopftuch
Öl/Leinwand | 1903 | 30 x 32 cm
Julius Exter Serpentintanz
Öl/Leinwand | 1897 | 107 x 126 cm
Julius Exter "Der Mucki aetatis suae V" (sein Alter 5)
Öl/Leinwand | 1899 | 60 x 54,5 cm
Julius Exter Erinnerungen an einen Besuch bei Richard Strauss in Berlin
Öl/Karton | 1904 | 70 x 100 cm
Julius Exter Abendsonne - Feldwies
Öl/Karton | um 1920 | 32 x 39 cm
Das "Große Atelier" im Exter-Haus
Öl/Leinwand | um 1920 | 61 x 81 cm
Julius Exter Chiemseeufer
Öl/Karton | um 1915 | 24 x 34 cm