Maximilian (Max) Haushofer

 


Eine Auswahl vergangener Ausstellungsexponate


Maximilian (Max) Haushofer
1811 München - 1866 Starnberg


Die Entdeckung des Malerparadieses Frauenchiemsee

Im September 1811 wurde dem Hauslehrer am kgl. Hofe in Nymphenburg ein Sohn geboren, den die Eltern nach seinem Taufpaten Maximilian nannten. Als Pate fungierte kein Geringerer als König Max I. Joseph. Für Haushofer begann eine schwere Zeit, denn er verlor nicht nur früh seine Eltern, auch sein Gönner König Max starb, der für die Kosten der Ausbildung aufzukommen versprach. Die Fußreise im Jahre 1828 des erst 17-jährigen Maximilian mit Freunden an den Chiemsee ging in die Kunstgeschichte ein. Haushofer fand auf Frauenchiemsee nicht nur den Ort, der für Generationen von Malern bildbestimmend wurde, sondern auch seine große Liebe, die Wirtstochter Anna Dumbser, die er stets ‚meine liebe Nanny‘ nannte, alle Briefe an sie beginnen so. Der Weg zur Kunst und Liebe war indes beschwerlich. Drei Jahre vergingen, ehe Nanny ihm mit Zuneigung begegnete und zehn Jahre, bis sie ihm das Jawort gab. Die Hochzeit der beiden fand am 3. Oktober 1838 auf Frauenchiemsee statt. Für Max Haushofer wurde das Jahr 1832 entscheidend. Er machte die Bekanntschaft der Maler Carl Friedrich Heinzmann und Ernst Kaiser, die ihn bestärkten, Landschaftsmaler zu werden. Auf einer Fußreise zum Chiemsee und in das Berchtesgadener Land trug er zum ersten Mal den Malkasten mit sich. Dort traf er mit Albert Zimmermann, Eduard Schleich d. Ä. und anderen Künstlern auf Gleichgesinnte. Haushofer gewann die Erkenntnis: „Hier in der großen überwältigenden Natur reifte mein Entschluss über meinen Beruf definitiv zu entscheiden: von nun an wollte ich keinen anderen mehr wählen als den des Landschaftsmalers.“ Die Verkäufe im Münchner Kunstverein bestätigten seine Entscheidung. In den Stammlokalen der Münchner Maler schwärmte der ‚Insula-Entdecker‘, wie Haushofer benannt wurde, von den Reizen des Chiemsees, was ungeahnte folgen nach sich zog: bald ergoss sich das illustre Malervolk auf die kleine Insel. Sie kamen nicht nur aus München, sondern aus vielen Teilen Deutschlands an den See, so der Dresdner Georg Heinrich Crola, die Hamburger Adolph Friedrich Vollmer, Hans Beckmann, Ernst Kaiser, Dietrich Langko und Heinrich Marr, der Mindelheimer Karl Millner, der Breslauer Johann Felix von Schiller und der Trierer Christian Christoph Ruben. Es war der Beginn der Künstlerkolonie Frauenchiemsee.
Haushofer, der 1844 von seinem Schwager Christian Christoph Ruben als Professor für Landschaftsmalerei nach Prag berufen wurde, kehrte auch in seiner Prager Zeit regelmäßig zum Malen an den Chiemsee zurück. Der Prager Aufstand im Jahre 1848 zwang Ruben zur Schließung der Akademie. Die Freundschaft der beiden ging in die Brüche. Haushofer bemühte sich vergeblich um einen Lehrauftrag an der Münchner Akademie. Nach dem Tode der Wirtsleute Dumbser kam Haushofer nur noch selten auf die Insel. Im Sommer 1861 sollte sein letzter Besuch sein. Am 24. August 1866 starb Haushofer in Starnberg an Tuberkulose. Seine Nanny überlebte ihn um 36 Jahre. Haushofers Name indes erlosch nicht - Frauenchiemsee bleibt seine Entdeckung. Mit Haushofers Tod endet die erste Blüte der Künstlerkolonie Frauenchiemsee.


Franz Xaver Maria Gailer


Die erste Wanderung an den Chiemsee

„Im Herbst dieses Jahres machte ich in Gesellschaft meiner Vettern Joseph und Carl, unseres Freundes Trautmann, eines unserer ältesten Bekannten und Schulgenossen, und eines Theologen (...) namens Wöhrl, die erste Fußreise in die Alpen. (...) Am 3. September gingen wir von München ab. In zwei Tornistern befand sich unser Gepäck, in dem einen das meiner Vettern, im anderen meines und das von Trautmann, welches Letztere so schwer wiegen möchte, als das der übrigen zusammen. Ein Gegenstand, welcher Anfangs sehr ins Gewicht ging, vor Schluß des zweiten Tages aber beseitigt war, dies war eine Flasche Liqueur, die uns der alte Trautmann, ein wohlerfahrener Mann, mit auf den Weg gegeben hatte. Es war ein frischer, erquickender Morgen nach mehrtägigem Regen; die Straße frei von Staub, auf Blättern und Blumen die Perlen des Taues, in der Ferne der Schnee der Alpen silbern glänzend zwischen auflagerndem Gewölke. Ich fühlte mich überglücklich, als wir die Stadt mit ihren Drangsalen im Rücken auf den Gasteigbergen standen, auf der breiten Landstrasse dem Tummelplatze des freien pontischen Gelüsters seit den ältesten Zeiten der Menschengeschichte. Unter der Einwirkung der Natur, im Gefühl der Freiheit (...) belebte sich mein ganzes Wesen. Am ersten Tage gelangten wir nicht weiter als bis Feldkirchen. Diese neun geographischen Stunden kamen uns lange genug vor; unsere Sohlen waren dazumal noch wenig vertraut mit den Schrecknissen der Heerstraße; wir schliefen vortrefflich auf Stroh. (...) Während wir den 2. Tag in Rosenheim Mittag machten, entstand ein Gewitter. Wir waren schon etwas müde und der Regen kam nicht unerwünscht. Es mußte ein Wagen gemietet werden bis nach Prien. In diesen begaben wir uns sofort und fuhren über Endorf und Rimsting unserm Ziel entgegen. (...) das Gewitter entfernte sich und rollte sich in strahlender Ferne gleich Bergen auf; über diese hochangetürmten Massen aber spannte sich ein prächtiger Regenbogen. (...) Konnte ich unter schöneren Zeichen zum ersten Male mich dem Orte nähern, wo meine ganze Zukunft schlief? Ist es nicht ein freundlicher Wink der Vorsehung gewesen, der mich heute dahin führte, durch Sturm und Regen in die erhabenste Szenerie der Gebirgswelt, wo in den Gluten des Abends das Paradies meiner Träume, meiner Hoffnung lag. Der Eindruck war so groß, daß es ein bleibender werden mußte, zumal da sich bis zu unserer Ankunft am Ufer des Sees die Szenerie abermals verändert hatte und dem glühenden Abend mit den wechselnden Effekten die stille Dämmerung gefolgt war und uns zum Schluß zur Fahrt durch das spiegelglatte Gewässer der Vollmond sein klares freundliches Licht spendete. Der alte Ull von Stock war unser Fährmann. Es war am 4. September abends gegen 8 Uhr, als wir der Fraueninsel ansichtig wurden. Ahndungsvolle Andacht lag auf unserem Kahn. Bald auf die dunklen Umrisse der Insel fiel unser Blick, bald auf des Mondes Silberlicht, das uns in zitternder Bewegung im Spiegel des Wassers entgegenschwamm. Endlich legten wir an. Wir wurden aufs freundlichste empfangen. (...) Mädchen sah ich keine, obgleich deren sechs von allen Größen vorhanden waren. Hunger und Durst waren die vor Allem zu befriedigenden Leidenschaften jener Periode; etwas Schwärmerei für die Natur kam dazu als Beigabe. Nachdem wir einige sehr vergnügte Tage in Frauenchiemsee verlebt hatten, begaben wir uns wieder auf die Reise (...).“


Maximilian Haushofer, Tagebuchauszug 1828



  Frauenchiemsee von Gstadt aus
Öl/Leinwand/Karton | um 1855 | 35 x 45 cm
Maximilian Haushofer Fischer beim Einholen des Zugnetzes am Chiemsee
Öl/Leinwand | um 1845 | 31,5 x 46 cm
Maximilian Haushofer Rastendes Bauernmädchen am Chiemsee
Öl/Leinwand | um 1850 | 57 x 72 cm
Maximilian Haushofer Abziehendes Gewitter am Chiemsee
Öl/Leinwand | um 1841 | 70 x 95 cm
Maximilian Haushofer Obersee mit Watzmann
Öl/Leinwand | um 1850 | 30 x 35 cm
  Heuschiff am Chiemsee
Öl/Leinwand | 1844 | 30 x 35 cm
Maximilian Haushofer Süditalienerin
Öl/Leinwand | 1836 | 23 x 20,5 cm
  Aufziehendes Gewitter am Chiemsee
Öl/Leinwand | 1855 | 103 x 134 cm
Maximilian Haushofer Chiemseelandschaft
Öl/Papier/Karton | um 1840 | 27 x 44 cm
  Blick von der Herreninsel über den Chiemsee
Öl/Leinwand | um 1850 | 22 x 32 cm 
 Maximilian Haushofer Alte Eiche
Öl/Papier/Karton | um 1842 | 31 x 37,5 cm
Maximilian Haushofer Nonne am Ufer der Fraueninsel
Öl/Leinwand | 1842 | 33 x 46 cm
  Blick von der Kampenwand auf den Chiemsee
Öl/Papier/Karton | um 1849 | 24,5 x 36,3 cm
  Fischermädchen am Chiemsee
Öl/Leinwand | um 1850 | 25,7 x 23 cm
  Weitsee
Öl/Papier | um 1840 | 15,2 x 21,2 cm