Paul Mathias Padua

 Paul Mathias Padua


Eine Auswahl vergangener Ausstellungsexponate


Paul Mathias Padua
1903 Salzburg - 1981 Rottach-Egern


»Werner Braun beim Malerprofessor Mathias Padua

Wie im Nu verging der Nachmittag am Tegernsee bei Professor Mathias Padua und seiner reizenden Frau Marie-Antonie, unter Freunden Biggi genannt. In einem rießigen Seeufer-Parkgrundstück in Rottach-Egern steht die herrschaftliche Villa mit den großen Initialen M.P.
"Sie gefiel mir damals nicht besonders", mein Professor Padua, "jedoch reizten mich diese Buchstaben, welche der Vorbesitzerin, Fritzi Massary-Pallenberg, gehörten. So kaufte ich 1950 das Anwesen. Ich wurde gewarnt, diesen schwierigen Malerprofessor zu besuchen und kann mich nach mehreren Begegnungen nur wundern, über die geringe Menschenkenntnis bzw. über das wohl äußerst subjektive Urteil Wohlmeinender. Selten saß ich einer farbigeren Persönlichkeit gegenüber, von innen heraus höflich und liebenswürdig, nach außen bayrisch kurz und prägnant, ohne übertriebene Floskeln. Rauh aber herzlich, würde der Volksmund taxieren. Sicherlich war und ist Mathias Padua kein bequemer Mensch, der ja und bravo sagt, wenn er nein und unmöglich meint. Achtung und Bewunderung empfindet man, wenn man vor seinen herrlichen Werken steht; Hochachtung und Ehrung aber überkommt einen, wenn man seinen Erzählungen lauscht, von einem Leben hört, das nichts an Härte, Bitternis, Schicksalsschlägen, Armut und Lieblosigkeit zu wünschen übrigläßt. Es wäre zu wenig, zu sagen, Professor Padua ist ein Autodidakt; er steuert dem 80. Lebensjahr zu, aufrecht, stolz, erfolggekrönt, wo andere Menschen schon nach den ersten Jahrzehnten zusammengebrochen wären, aufgegeben, resigniert hätten. Eine zähe, kraftvolle, urbayrische Persönlichkeit ist Mathias Padua. Es gelingt mir sicher nicht, sein Leben in Kurzform so prägnant einzufangen, wie es seiner würdig wäre - aber nur einige seiner Bilder vorzustellen, das wäre noch dürftiger gewesen.
Am gleichen Tage, wie Gerhart Hauptmann, den er später malte, geboren, am 15. November 1903. Da man damals in Niederbayern nur unter Schande ein lediges Kind zur Welt bringen konnte, mußte die 16jährige Mutter weit weg, in Salzburg, gebären.
"Von der Mutter habe ich nur immer zu hören bekommen, ich hätte ihr die ganze Jugend verdorben. `Hätte ich dich nur im Bad ertränkt'" - diesen furchtbaren, oft gehörten Satz hat der 78jährige heute noch als Leitfaden seiner Jugendzeit in Erinnerung. Den Vater lernte er nie kennen, die Mutter hat sich nie gekümmert. Der uralte Großvater, der selbst 9 Kinder hatte, war der einzige, der sich um den armen Buben annahm.
Gehen wir in Stichworten über diese Jahre hinweg: ab dem 5. Lebensjahr hat der Mathias gezeichnet; aufgewachsen und die Volksschule besuchte er in Geiselhöring.

"Die Gegend war so bäuerlich, daß ich ein Leben lang mit den Bauern verwurzelt war. Ich wuchs zu einem kräftigen Burschen heran, deshalb war mir auch ein Maler recht sympathisch, der viel Schwerathletik getrieben hat, Wilhelm Leibl."

Doch zurück zur Schule. In Straubing besuchte Mathias Padua die Realschule. Mit 15 ist er freiwillig zum Militär eingerückt und mußte nach 6 Monaten Militär in Regensburg das Abitur nachmachen. Er bestand mit einem glatten Einser. Der Verdienst 13 Nachhilfeschülern half dem stets hungernden Burschen etwas. Die nächste Station war Oberammergau. Allein die Geschichte bis Padua die 17 Mark für die Hinfahrt bekam und dort eine Art Hausmeisterstelle fand, um leben zu können, wäre vielseitig. Unsere Jugend heute kann sich gar nicht mehr hineindenken, wie hart die Weltkriegsjahre und die Nachkriegszeit war, die man als goldene Zwanziger bezeichnet - für viele Menschen zum Hohn.

"Ich wollte dann auf die Akademie, bestand auch die Aufnahmeprüfung und merkte bald, wie wenig ich zu den lustigen Studenten paßte, die ausgingen und Feste feierten. Ich war ja arm, gelacht hatte ich nie, so drückend war die Jugendzeit. Ich mußte oft an das Goethewort denken: Der Mensch in seinem dunklen Drang ist sich des rechten Weges stets bewusst."

Der weitere Weg von Mathias Padua - er heißt Padua so wie der eine Meier, Müller oder Huber, es ist kein Künstlername - war sehr steinig und die Pfade führten nach Niederbayern, dann nach Murnau, hernach lebte er ganz hoch im Zillertal, darauf in Ruhpolding. In Bad Kreuth lernte er den Kiem Pauli kennen, bei diesem wieder den Herzog Ludwig Wilhelm. Mit dem Herzog fuhr Padua zu dessen Schwester, der Königin Elisabeth von Belgien, nach England. Dann war er wieder in Murnau. In Weilheim erlebte er, wie man echte Volkslieder vorträgt, durch den Treichl, den Vögele, den Burda und Sontheim. Das wiegelte sein Gemüt so auf, daß er spontan zum Vögele nach Oberaudorf zog.
Dazwischen reifte der Maler Padua heran. 1924 war die erste Ausstellung. "Dann fing ich das Spinnen an. Ich wurde eingebildet. Im Fasching lernte ich eine Frau kennen, dann war es aus. ich wollte nur noch mit silbernen Löffeln essen. - In Oberaudorf habe ich sehr viel gemalt. 1932 durfte ich in Paris ausstellen."
Unbedingt festgehalten werden muß, das Professor Padua bereits vor Hitlers Machtergreifung den Dürer-Preis hatte, den Lenbach-Preis, den Preis für das schönste Frauenportrait - errungen unter 500 Bewerbern in Berlin. Es gibt keine deutsche Stadt, wo Padua nicht schon vor 1933 ausgestellt hat.
"Haben sie sich spezialisiert als Maler?" - "Eigentlich nicht. Die erste Landschaft traute ich mir aber erst 1926 zu malen, den ersten Akt 1936."
"War das nicht Ihr berühmtestes, weltbekanntes Werk?" - "Stimmt!" - "Dann war es 'Leda und der Schwan'."
Und Padua erzählte  in seiner kurzweiligen, gekonnten Art, wie er das Modell fand, und wie ihm Tierparkdirektor Heck einen jungen, in voller Lebenskraft stehenden, Schwan besorgte.
"Wieviele Wochen benötigten Sie?"
"Das Malen geht verhältnismäßig schnell. Zu dem Portrait von Francois-Poncet brauchte ich nur eine Dreiviertelstunde, zum Rühmann-Bild sogar nur eine halbe."

Padua schilderte dann seine Malpraktiken, wie er eine Landschaft beginnt, wie er an ein Portrait rangeht. Für einen Laien kaum zu glauben. Hochinteressant wurde es, als Professor Padua von seinen Begegnungen mit den Großen des Zwanzigsten Jahrhundersts erzählte. Ob Gerhart Hauptmann, ob Alfried Krupp, Richard Strauß, Franz Lehar, Makarios oder Mussolini, den er kurz vor seinem Tod am Gardasee malte, um jede Begegnung ranken sich amüsante Geschichten, die zugleich auch Paduas Eigenheiten widerspiegeln.

"Nach der 'Leda' werden Sie aber die permanente Geldkrise überwunden haben."

"Wo denken Sie hin. Das Gemälde kaufte Hitler für nur 6000 Mark und hängte es in seinem Haus am Obersalzberg auf."

Ich hätte Notizen für eine ganze Broschüre: Padua im Dritten Reich, Padua nach 1945 auf dem Bauernhof auf der Eck zwischen Gmund und Hausham, Padua in St. Wolfgang. Ein Kapitel wäre mit 'Padua und die Frauen' überschrieben. Auch hier war sein Glück nach drei Ehen von viel Tragik verschüttet, bis er die Münchnerin Marie-Antonie fand, mit der er seit über 15 Jahren verheiratet ist. Unerschöpfliche Erlebnisse hatte er auf seinen Fahrten nach West- und Südafrika, Tunesien; es war jeweils ein Arbeitsurlaub - auch in Japan, China, Hongkong. Und immer wieder begegnen ihm Erinnerungen aus der Vergangenheit, sein längerer Aufenthalt bei König Carol von Rumänien, bei der Fürstin von Albanien. Er erinnert sich, wie er in Paris erst in die oberen Fünftausend hineinschmeckte, bei denen der Kleideretat pro Jahr 100 000,- Mark war. Er verkehrte im Maxim.

"Mit einer Amerikanerin hatte ich eine Affäre; der fuhr ich im Sarntal, wo Leni Riefenstahl 'Das blaue Licht' drehte, davon, kam nach München, wo mich Ludwig Schmid-Wildy anrief: 'Du, bei mir ist eine Frau - ich sag Dir, Du mußt gleich kommen.' Und es wurde wieder eine Geschichte für sich."

"Was machen Sie in ihrer Freizeit noch gerne?"

"Ach ich habe gerne Schafkopf g'spielt. Aber meine Altersgenossen sind schon weggestorben und mit den Jungen kann ich nicht mehr so. Sonst treibe ich viel Sport, im Winter Langlauf, im Sommer Schwimmen, Bergtouren und viel Wandern."


Professor Mathias Padua - ein reißender Gebirgsbach, der sich durch Felsen und Gestrüpp einen Weg bahnen mußte, ein urwüchsiger Fluß wie Inn, Isar oder Lech; ein Strom, immer noch jedem Schicksal trotzend; zurückblickend auf einen langen Weg, voll Kummer und Leid. Wieviel herzerwärmende Sonnenstrahlen es gab, wieviele glückliche Stunden, wieviele Augenblicke, wo das Goethewort vom Verweilen zuträfe - der Schreiber dieser Zeilen vermag kein Resümee zu ziehen. Vor dem Künstler und Menschen Mathias Padua habe ich zuviel Respekt, um ihn nach seiner persönlochen Lebensbilanz der Neugierde willen zu fragen. Fest steht für mich, daß sich die Buntheit und der Kampf in seinem Leben in vielen Gemälden wuchtig widerspiegelt, und mit die Größe des Malers Mathias Padua geprägt hat; der Nachwelt wird sie erhalten bleiben. Ich habe ich zum Schluß herzlich zu bedanken, wie frei und offen in liebenswürdiger Bescheidenheit ein großer Künstler in sein Gemüt blicken ließ, ebenfalls für die Warmherzigkeit seiner Frau Biggie.«

Helmut Braun
(Aus: Beim Malerprofessor Mathias Padua, in: Der Wendelstein-Kalender 1981.)


Pfingstrosen
Öl/Leinwand | um 1950 | 80 x 65 cm
  Sarntaler Bauer
Öl/Karton | 1928 | 80 x 67 cm
Stillleben mit Lauch, Speck und Zinnkrug
Öl/Leinwand | 1941 | 50 x 62 cm
  Winterabend
Öl/Leinwand | 1945/50 | 40 x 30 cm
Mädchen mit Blütenkranz
Öl/Hartfaser | um 1945

Rosen
Öl/Hartfaser | um 1950 | 20,6 x 25,1 cm

  Kirschbaumernte auf der Eck
Öl/Hartfaser | um 1945 | 40,5 x 31 cm
Junges Paar
Öl/Karton | 1926/27 | 87 x 75 cm
Bauerngarten am See
Öl/Leinwand | 1944 | 55 x 50 cm
 

Junge Frau mit Federboa
Öl/Leinwand | 1945 | 82 x 65 cm

Blumenstillleben
Öl/Leinwand | 1976 | 80 x 60 cm
Stillleben mit Spargel und Speck
Öl/Leinwand | 1942 | 51,5 x 78 cm
Bunter Blumenstrauß mit Krug und Äpfeln
Öl/Leinwand | um 1945 | 65 x 50 cm
  Stillleben
Öl/Hartfaser | 1953 | 65,5 x 76 cm
  Ehemaliges Hoixlfischer-Haus auf der Fraueninsel
Öl/Hartfaser | um 1945 | 30,5 x 40,5 cm