Sepp Hilz

 


Eine Auswahl vergangener Ausstellungsexponate


Sepp Hilz
1906 Bad Aibling - 1967 Willing


In Leibl'scher Tradition

Seine Karriere als Künstler begann mit einer Lehre in der väterlichen Malerwerkstatt. Dort wurde ihm eine solide handwerkliche Ausbildung durch die Restauration von Kirchen und Glasfenstern zuteil. Dieser Ausübung blieb er auch nach dem Krieg treu. Dies geschah zwangsläufig, wurde seine Kunst in der Folge größtenteils gemieden und geächtet. Unzählige Kirchenräume in der Chiemgauer Umgebung, wie Törwang, Schäftlarn oder die Franziskanerkirche in Bad Tölz, erstrahlten durch seine Hand in neuem, alten Glanz. Von 1921 bis 1927 studierte er daraufhin an der Münchener Kunstgewerbeschule. Nach dieser Zeitspanne zog es ihn aber in seine Heimat. Seine Liebe für das Ländliche und Bäuerliche spiegelt sich unübersehbar in seinen Bildern wieder. Es sind heitere Szenen aus dem dörflichen Alltag und Bildnisse eben jener Menschen, mit denen Hilz Tag für Tag zu tun hatte, die sein Schaffen charakterisiert. Besonders hat es ihm die Abbildung von Frauen angetan. Mit seinem Augenmerk auf den natürlichen Ausdruck und seiner realistischen Darstellungsweise steht Hilz in der Tradition Wilhelm Leibls (1844-1900), der ebenfalls in Bad Aibling tätig war und der dieselbe Vorliebe des bäuerlichen Bildmotivs pflegte. Diese bodenständige Kunst mit dem Blick auf die ländliche Bevölkerung sagte verständlicherweise der NS-Spitze zu. Hilz große Meisterschaft im Umgang mit dem Pinsel in Verbindung mit dem hohen Realismusgrad seiner Gemälde ließen schließlich selbst Adolf Hitler aufhorchen. Sein Durchbruch erfolgte im Jahr 1938 in der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst, die er fortan jährlich bestückte. Sowohl Reichsminister Goebbels als auch der ‚Führer‘ erwarben seine Kunstwerke, wie die „Bäuerliche Venus“, die alsbald „zur beliebtesten Spindbegleitung der Soldaten“[1] avancierte und dessen Modell in der Folge eine große Anzahl an Heiratsanfragen erhielt. Im Jahr 1939 wurde ihm angeblich der Kauf eines Grundstückes und Bau eines Ateliers für 100 000 Reichsmark bewilligt. Dies fand aber keine Umsetzung. 1943 wurde er zudem zum Professor ernannt. Augenscheinlich hat Sepp Hilz von seinem hohen künstlerischen Ansehen profitiert, doch war er selbst zu keiner Zeit politisch aktiv. Auch in seinem Werk finden sich keine derartigen Anspielungen oder Bildnisse in NS-Kluft.
An den Chiemsee kam der gesellige Maler zum ersten Mal im Jahr 1930. Der ebenfalls in Bad Aibling ansässige Künstler Brynolf Wennerberg (1866-1950) hatte ihn dorthin mitgenommen. „ […] Was Schöneres gibt’s doch auf der ganzen Welt nicht! Ich bin dann auch 21 Jahre lang jedes Jahr sieben, so lang halt die Ferien gedauert haben, auf der Insel g’wesen“, schilderte Hilz seine ersten Eindrücke vom Chiemsee.[2] Zum Fischen, das schon früh eine Leidenschaft Hilz‘ war, hatte ihn der Schwede nicht überreden müssen. Das galt als Selbstverständlichkeit. Seine Unterkunft bei der Familie Lex auf Frauenchiemsee war für eine solche Tätigkeit zudem prädestiniert. Mitglied der Künstlervereinigung „Die Frauenwörther“ wurde er im Jahr 1937. Gemeinsam mit Hermann Urban (1866-1948), einem weiteren Aiblinger Malerkollegen, verbrachten sie überdies viele Stunden beim Kartenspielen im Café Rupp, das gesellschaftliche Zentrum dieser Zeit in Bad Aibling. Sorgfältig und gewissenhaft arbeitete er abseits dieser Spannen an seinen Gemälden. Für diesen Zweck baute er oftmals ganze Atelierbühnen. Auf diese Weise kamen nie mehr als drei bis vier Kunstwerke pro Jahr zustande. Allein bei den rasant wandelnden Landschaftsstimmungen musste er rasch handeln. Sepp Hilz starb am 30. September 1967 in seinem Geburtsort Bad Aibling überraschend an einem Herzleiden.

Franz Emanuel Maria Gailer


[1] Christine und Klaus J. Schönmetzler: Kunst und Künstler in Bad Aibling. Ein bayrischer Bilderbogen, Bad Aibling 2004, S. 104.
[2] Helmut Braun: Zu Besuch bei Sepp Hilz, in: Der Wendelstein Kalender 1966. Ein Jahrbuch für Stadt und Land, S. 42-50.


Mädchen mit Korallenkette
Öl/Holz | 1941 | 26,3 x 22 cm
Tischgebet
Öl/Holz | 1937 | 72 x 99 cm
Bauernmädchen in Tracht
Öl/Leinwand | 1949 | 65 x 54 cm
"Die Klöpfelnacht"
Öl/Sperrholz | 1933 | 74,5 x 103 cm
Bauernmädchen
Öl/Leinwand | 1940 | 46 x 41,5 cm
Der Kuss
Öl/Holz | um 1940
  In Gedanken
Tempera/Hartfaser | 1946/47 | 38 x 23 cm