Karl Raupp

 


15. Oktober bis 18. Dezember 1983
Ausstellung der Galerie Gailer GbR im Muggli-Haus Bad Aibling

23. März bis 5. Mai 1996
Ausstellung der Galerie Gailer GbR in der Galerie Markt Bruckmühl


Karl Raupp
1837 Darmstadt - 1918 München


Karl Raupp zum Gedenken

„Der bekannte Münchner Kunstkritiker und Maler Friedrich Pecht schrieb in einer Ausstellungsbesprechung der Gemälde im Glaspalast zu  München: „Raupp hätte sich das kleinste Stückchen Welt, die Fraueninsel, zur malerischen Ausbeute erwählt.“
Raupp, der ein gewandter Schreiber war, erwiderte: „Wohl ist die Insel klein, aber es ist ja nicht das halbe Kilometer, das ich  schildern will; ein weiter Horizont umgibt das Eiland, auf dem eine dicht wohnende Einwohnerschaft, Fischer, Handwerker und Bauern, alle   Lebensbedürfnisse befriedigen muß, auf diesem unruhigen, stimmungsvollen, oft poetischen oft gefährlichen, stürmischen Element, das sie  stundenweit in der Runde umgibt und mit dem sie von Jugend auf verwachsen sind. Dazu die romantische Zutat des altersgrauen Klosters,  das gab und gibt eine Situation, die einen seltenen Reichtum an Motiven in sich birgt und den zum Teil zu erschließen, merkwürdiger Weise  erst mir vorbehalten blieb. 1828 sind die Maler nach Frauenchiemsee gekommen, viele haben Bilder dort gemalt, aber nicht einer hat ein  Genre daraus gemacht, der ganze Reichtum blieb unbehoben. Außer mir ist nur Joseph Wopfner als Chiemseemaler bekannt geworden,  obgleich allsommerlich Maler und auch Malerinnen in großer Zahl auf den Inseln, wie in den verschiedenen Dörfern der Ufer sich  aufgehalten und fleißig gemalt haben. Und ich muß gestehen, bei all dem, was ich davon darzustellen versucht habe, beschleicht mich oft  das Gefühl, als ob ich noch gar nicht alles das ich in meinen Bildern verwandt hätte, was eigentlich vom Chiemsee zu sagen wäre.“
Nicht besser hätte sein künstlerisches Wollen und Tun beschrieben werden können. Es gilt: was Schriftsteller und Dichter in  überschwenglicher Weise im vorigen Jahrhundert über das Eiland und seine Bewohner schrieben oder dichteten, das hat Karl Raupp in  seinen Bildern wiedergegeben. Er wollte zeigen, „wie hold die Heimat am bayerischen Meer ist.“
Karl Raupp wurde am 3. März 1837 zu Darmstadt geboren. Schon der Schule riet man ihm: „Sie müssen zeichnen, immer zeichnen,  Figuren zeichnen.“ Im 15. Lebensjahr entschied er sich, Maler zu werden und trat in die dortige Gewerbeschule ein, wo er nach  Gipsmodellen seine ersten Versuche machte.
Beim Landschaftsmaler August Lucas (1801-1863) in Darmstadt vorgebildet, hat er bei Jakob Becker (1810-1872) am Städelschen  Institut in Frankfurt bereits seinen Weg gefunden: in der Verschmelzung der Landschaft mit den sie belebenden Figuren. Das Motiv, bei  dem Landschaft und Handlung sich die Waage halten, erscheint früh in seinen Werken und blieb für allemal erhalten. Er wurde immer  geschickter im Komponieren und im wohlberechnetem Farbauftrag, der die malerische Stimmung mit seinem gewollten  Empfindungsausdruck in Einklang brachte.
Schon beim ersten Gemälde „Die zwei Mütter“ hatte Karl Piloty (1826-1886) alles, besonders die malerische Wirkung gelobt, mit einer  einzigen Einschränkung, daß ihm „der erzählende Gedanke zu sentimental sei.“
Die allgemeine Kunstwelt in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat Raupp durch zahlreiche Ankäufe seiner Werke recht  gegeben, daß er weiterhin „seinen Kopf durchsetzte“. Er wich seinem Wollen nicht aus, und seine gefühlsseligen, erzählenden Gedanken  verleiteten ihn weiterhin zu sentimentalen Gemälden.
Begeistert für Pilotys „sieghafte neue Malerei“, trat der dreiundzwanzigjährige Raupp, zusammen mit dem heute hochgeschätzten  Hans von Marées (1837-1887) in dessen Schüleratelier ein. Bald entwickelte sich Raupp von einem Vorzugsschüler zu einem Hilfslehrer  Pilotys an der Akademie zu München.
Bevor Raupp 1860 Platz in der Pilotyschule bekam, besuchte er jeweils zur Sommerzeit bis tief in den Herbst hinein Brannenburg am  Inn, wo sich immer nahezu zwanzig Künstler aus München und Düsseldorf einfanden. Die schönen Bäume, die prachtvollen Eichen und die  malerischen Details des von einem Gebirgsbach durchfluteten Tals, waren so richtig geeignet, der Landschaftsmalerei zu huldigen. Die  Malschirme, die man dort in Massen aufgestellt sah, gehörten zur Landschaft und der Ruf des munteren Lebens der Künstlerkolonie  Brannenburg drang weit hinaus und zog so manche Fremde zu längerem Aufenthalt gleichfalls dorthin. Zu seinen Malgenossen zählten u.a.  Friedrich Voltz, Joseph Wenglein, Karl Ludwig, Otto Fröhlicher, Anton Braith, Albert Kappis, Christian Mali, Karl Ebert, Robert Schietzold und  Otto Gebler.
Hier entstand auch die Studie zum Gemälde der „Zwei Mütter“, die er dann in Pilotys Atelier ausführte. Ein Münchner Kunsthändler  erwarb das Bild für 1200 Gulden, um es mit größerem Profit an einen reichen, bekannten Sammler in Amerika weiterzuverkaufen.
Raupp suchte auch den bekannten Künstlerort Willinghausen in Hessen, im Schwalmgrund in den 60er Jahren zu Studienzwecken auf.  Auch reiste er einmal nach Italien, das ihn nicht sonderlich beeinflußte.
1866 verließ er die Pilotyschule und mietete sich in der Schillerstraße zu München ein Atelier. Sein Lehrtalent war früh zutage  getreten, gefördert durch seine sachliche, klare Art im Tun und Reden, durch seinen Verstand.
Im Jahre 1867 bot ihm die Nürnberger Kunstschule eine Professur an, die er bis 1879 inne hatte. Fast alle Gleichaltrigen seines  Schülerkreises aus München folgten ihm dorthin.
1880 wurde er an die Akademie der bildenden Künste nach München berufen. Dieses Lehramt hatte er bis zum Jahre 1914 inne. Er  war einer der ersten, die auf einer Kunstschule ihr Lehramt so auffaßten, daß sie nur das Können ihrer Schüler pflegten, deren Eigenart sie  aber frei entwickeln ließen.
Von Brannenburg her kannte Raupp den Maler Gustav Cloß (1840-1870). Durch ihn erfuhr Raupp von Frauenwörth, dem  poesieumworbenen Chiemsee-Eiland, das 1828 durch Max Haushofer (1811-1866) entdeckt und so der Kunst und Dichtung gewonnen  wurde.
Voller Hoffnung betrat er erstmals 1869 die Insel, die ihm Zeit seines Lebens Motiv und Inhalt seiner Gemälde gab.
Ihn interessierten die stämmigen, kernfesten Fischersleute in ihrem geradlinig schlichten Leben, das er beobachtete in Frieden und  Leid, auch von Leidenschaft verschattet. Unerschöpflich war ihm der See, nicht nur an Wassermenge, sondern auch an der Fülle der  Schönheiten an Stimmungen.
„Solch ein Zauber in der duftigen, silbrigen Luft, in dem zarten Schimmer der Fläche. Und gar, wenn er wild wird und aufgewühlt; oh  er kann gewaltig tun, dann ist er ganz dramatisch, von einer düsteren Größe. Ich kann’s nicht sagen, höchstens malen,“ bekannte er  seinem Freund.
Und er hat’s gemalt, immer wieder den Liebhabern interessant gemacht, was er lieb hatte und ihn interessierte.
In und um die Fraueninsel fand er nach eigenen Worten „Alles was ich brauche, was mich malerisch reizt und unbewußt schon immer  zum Ausdruck drängte: bewegtes Wasser und ewig wechselnde Stimmung.“ Er scheute keine Mühe, Luft, Licht, Lokalfarbe der Natur  abzulauschen, auf dem Einbaum mitten im See oder auf dem Podium, das er weit drinnen im See sich erbauen ließ, fest eingerammt wie  Pfahlbauten. So weit sein Blick streifte, war das schilfige Ufer gefeit von der Sense, denn er hatte sich’s gesichtert, und „der Herr Professor  derf net verinkommodiert wern.“
Sie taten auch dem Meister zuliebe stets gern ein übriges, denn sie wußten, was ihnen seine Chiemseebilder mit den  vielabgewandelten Themen „Friede, Obhut, Mutterglück, Wellengang“ bedeuteten. Nicht weniger als vierzehnmal hat er das Gemälde „Der  Friede“ in größeren und kleineren Bildern wiederholt. Das große Galeriebild kaufte die Nationalgalerie zu Berlin an. Alle größeren Museen  des In- und Auslandes bewarben sich um seine Gemälde, so Dresden, Stuttgart, Köln, Karlsruhe, München und viele andere. Dies und viele  Orden und Ehrenzeichen, die man ihm inzwischen verliehen hatte, trugen nicht wenig zu seiner Wertschätzung bei.
Auch zu historischen Gemälden gab ihm der Chiemsee Anregung und Motiv. Seine im Sinne Pilotys aufgefaßten Gemälde „Ankunft  der ersten Äbtissin Irmingard“, einer Enkelin Karls des Großen, die beim Anblick Frauenwörths sich im Einbaum zum Gebet erhebt, und  die  „Plünderung des Klosters Frauenwörth durch die Hunnen“ fanden großen Anklang.
Die Zeit nach dem Sieg von Sedan, der gewonnene Krieg 1870/1871, die Kaiserproklamation und die Reichsgründung forderten  geradezu auf, sich solcher Themen anzunehmen. All diese Galeriebilder entstanden in seinem Atelier in der Akademie zu München.
Froh und zufrieden war Raupp stets, wenn er seinen „Chiemsee“ aufsuchen konnte. Wenn die Fremden fort waren oder noch nicht  da, im Vorfrühling oder im Spätherbst, abends, da waren die Maler und Dichter unter sich, da wurden Feste gefeiert nach Herzenslust. Auf  mit Girlanden und farbigen Lampions geschmückten Boot holte man ihn „den Malerkönig“ vom drüberen Ufer ab. Wie er in seinen  Erinnerungen schwelgend gern erzählte, beglückte ihn der Titel „Inselkönig“ und fast kosend verweilte er auf diesem, weil die Insulaner  und Maler in freier Wahl ihm diesen verliehen, den einst als Maler nur Max Haushofer zuerkannt wurde.
Wir verdanken Karl Raupp und seinem Freund Franz Wolter, daß sie Auszüge aus den Bänden der „Ehrwürdigen Chronik der  Künstlerherberge Frauenwörth“ in einem Bildband herausgegeben haben. Nachdem die ersten drei Originalbände leider zu Verlust  gegangen sind, werden uns wenigstens einige der künstlerischen Seiten überliefert.
In den noch erhaltenen zwei Bänden finden wir so manche Zeichnung und so manches Aquarell des Meisters. Noch im Jahre vor  seinem Tod am 14. Juni 1918 genoß der Achtzigjährige die Sommerfrische seines Eilandes, der einzige Fremde, den man als die  Lebensmittelschwierigkeiten andere Probleme verbannte, nicht ziehen ließ. War es ein Vorgefühl, daß Raupp, als der Herbst kam, einen  „Abschied“ in seine Chronik malte: einen Fischer in einem Boot forttreibend, den Hut schwenkend, der zurückgelassenen Heimatinsel zum  letzten Gruß …“

Fritz Aigner
(In: Kat. Ausst. "Gedächtnisausstellung Karl Raupp“, hrsg. v. Gemeinde Frauenchiemsee (Frauenchiemsee, Torhalle, 14.05. - 09.10.1988), Frauenchiemsee 1988.)

  Der kleine Helfer
Öl/Leinwand | um 1900 | 20 x 40 cm 

Unterhaltung am Ufer der Fraueninsel
Öl/Holz | um 1890 | 14,1 x 21,1 cm

Karl Raupp

Zweisamkeit
Öl/Leinwand/Karton | um 1900 | 17 x 26 cm

 

Karl Raupp Frühling auf der Fraueninsel
Öl/Leinwand | um 1910 | 40 x 64 cm
Karl Raupp Stillende Mutter im Kahn am Chiemseeufer
Öl/Leinwand | um 1900 | 40 x 80 cm
Karl Raupp Abendstille
Öl/Karton | um 1890 | 30 x 49,7 cm
Karl Raupp Blick vom Ganszipfel zum Stift Herrenchiemsee
Öl/Leinwand | 1884 | 36 x 57,5 cm
Heimkehr
Öl/Leinwand | um 1900 | 36 x 26 cm
Karl Raupp In Gottvertrauen
Öl/Leinwand | um 1900 | 35 x 52,5 cm
Karl Raupp
Mutter mit Kind einem Fischerboot nachsehend
Öl/Holz | um 1910
Karl Raupp Stürmische Überfahrt
Öl/Holz | um 1900 | 27 x 42 cm
Karl Raupp Heimfahrt
Öl/Holz | um 1900 | 11 x 15 cm
Karl Raupp Ankunft von der Krautinsel
Öl/Leinwand | 1892 | 50 x 67,5 cm
Chiemseeidyll
Öl/Holz | um 1890 | 25 x 45 cm
Karl Raupp Heimwärts
Öl/Holz | 1894 | 36 x 18 cm
Im Kampf mit Wind und Wellen
Öl/Holz | um 1900 | 28 x 48 cm
Karl Raupp Vom Sturm überrascht
Öl/Leinwand/Karton | 1890 | 43,5 x 34,5 cm
Karl Raupp Mutter mit Kind im Kahn am Ufer des Chiemsees
Öl/Holz | 1898 | 19 x 39 cm
Karl Raupp Künstlerkolonie Willingshausen in Hessen
Öl/Karton | 1867 | 28,8 x 42,3 cm
Karl Raupp In guter Obhut
Öl/Leinwand | um 1900 | 30,5 x 50,5 cm
Karl Raupp Kahnfahrt am Chiemsee
Öl/Leinwand | 1883 | 80 x 157 cm
Karl Raupp Erhoffte Heimkehr
Öl/Leinwand | um 1890 | 39 x 60 cm
Karl Raupp Muttgerglück
Öl/Karton | um 1905 | 36 x 22 cm
Karl Raupp Stürmische Überfahrt
Öl/Leinwand | 1902 | 83 x 146 cm
Karl Raupp Fischer (Studie zu dem Gemälde "Der reiche Fischfang")
Öl/Leinwand/Holz | 1898 | 32 x 24 cm
Karl Raupp Überfahrt auf dem Chiemsee
Öl/Leinwand | um 1900 | 41 x 80,5 cm
Karl Raupp Heimkehr
Öl/Karton | um 1900 | 9 x 15,3 cm