Fritz Skell

 


Eine Auswahl vergangener Ausstellungsexponate


Fritz Skell
1885 München - 1961 Dießen am Ammersee


Sumatras Farben

"Friedrich Wilhelm Skell wurde am 1.8.1885 in München geboren. Am 10.3.1961 ist er im 76. Lebensjahr gestorben und wurde in Dießen/Ammersee begraben.

Sein Leben ist weitestgehendst von seinen künstlerischen und naturwissenschaftlichen Interessen bestimmt gewesen. Schon als Pennäler [Schüler] des Luitpoldgymnasiums war er eifriger Sammler von Schmetterlingen und Käfern und versuchte sich in der Darstellung seiner Sammelobjekte.

Seine künstlerische Ausbildung begann in der Kunstgewerbeschule bei den Professoren Dasio und von Langenmantel. In der anschließenden Akademiezeit bestimmten von Hackl und von Herterich seine künstlerische Entwicklung.

1904 wirkte Skell erstmals aushilfsweise als Theatermaler am Gärtnerplatztheater, vor allem mit figürlichen Arbeiten. Von 1905 bis 1912 bzw. 1914 hatte er für dieses Haus die Kostüme und das "theatherliche Zubehör" zu entwerfen. Auch für die Kammerspiele im Schauspielhaus war er verschiedentlich tätig.

Vom Jahre 1905 ab, also schon mit 20 Jahren, malte er die Illustrationen zur Neuauflage des berühmten Schmetterlingsbuches von Hoffmann - Spuler. Naturwissenschaftliche Darstellungen und seine Tätigkeit an großen Wandtafeln der Anatomischen Anstalt München brachten ihm 1907 die Ernennung zum Universitätszeichner.

Wesentlicher Einfluß auf seine Entwicklung ist auch der 1912/1913 erfolgten Berufung Skell's nach Sumatra beizumessen. Am Zentralhospital Petoemboekan, dessen Chef und wissenschaftlicher Leiter der Münchner Arzt Dr. Gustav Baermann war, hatte er für den von Geheimrat Dr. Neißer und dessen Mitarbeiter Dr. Eckersdorf textierten Atlas tropischer Darmkrankheiten und den Atlas der Hautkrankheit Frambösie zu illustrieren. Neben seinen Aufgaben im Hospital entstanden zu dieser Zeit zahlreiche Studien und Gemälde von 'Land und Leuten' und der Plan zu einer Wiederkehr nach Sumatra, die aber der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte.

Erst 1928, nach dem Abklingen der Kriegs- und Inflationsnöte, kehrte er nach Sumatra zurück. Über 50 zum Teil lebensgroße Darstellungen von Malayinnen, Javanerinnen und Batakerinnen mit stark ethnographischer Wirkung, ein Film über die Schmetterlingswelt von Sumatra und eine starke Bereicherung seiner Käfer- und Schmetterlingssammlungen und -züchtungen waren die Ausbeute dieser Reise. Die Gemälde und Zeichnungen wurden zu einem beträchtlichen Teil beim Brand des Münchner Glaspalastes zerstört.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde ihm 1930 der Dr. med. honoris causa verliehen. 1932 ist Prof. Dr. Fritz Skell an die Staatsschule für angewandte Kunst berufen worden. Er war bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1953 Leiter der Klasse für strenges Naturzeichnen und naturwissenschaftliches Zeichnen an der Akademie für angewandte Kunst in München. Neben dieser Professur hatte er von der Universität München verschiedene Aufträge am Anatomischen, Dermatologischen und Biologischen Institut und durch seine käfer- und schmetterlingskundlichen Arbeiten und Versuche in Züchtung und Forschung, die ein starkes Engagement in der Mikroskopie und deren fotografischer Dokumentation erforderten, einen Lehrauftrag für Mikrofotografie, den er bis zu seinem Lebensende ausführte. Er war Mitbegründer der Münchner Entomologischen Gesellschaft und wurde für sein künstlerisches Schaffen zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ernannt.

An einem schönen Junifeiertag des Jahres 1905 kam Fritz Skell mit seiner Mutter erstmals auf die Insel Frauenwörth im Chiemsee. Es gefiel ihm so gut, daß er im Ferienmonat August wieder dorthin fuhr. Zu seiner Freude fand er bei diesem Aufenthalt Freunde aus dem Luitpoldgymnasium vor. Die Fraueninsel wurde aus diesen erste Besuchen zum ständigen Ferienaufenthalt und blieb es über 55 Jahre bis zu seinem Tode. Neben seinem musisch und medizinischen Freundeskreis um Hofrat Dr. med. Felix Schlagintweit erhielt er während seiner Inselsommer viele künstlerische Anregungen durch die Maler Hiasl Maier-Erding und Alfred Haushofer. Mit dem Bürgermeister Josef Kainz und einer Reihe von Malern war Fritz Skell seit 1920 auch Anfangsmitglied der Kunstausstellung "Die Frauenwörther".

Die Treue zu Freunden und Gewohnheiten zeigte Skell auch in seinem Münchner und Dießener Lebenskreis. Über 50 Jahre lang war er mit am Donnerstag-Künstlerstammtisch, der einst im Klosterstüberl des Thomasbräukellers am Kapuzinerplatz begründet worden war. Er war Tarockbruder von Ludwig Thoma und aus dem Redaktionsstab der Zeitschrift "Jugend", bei der er mitarbeitete, zählte auch der Karikaturist Eduard Thöny zu den persönlichen Freunden. Der Zugang zu dem Kreis um Emanuel und Gabriel von Seidl hatte für ihn mehr persönliche Bedeutung erlangt. Ende Juli 1914 lernte Skell bei Fritz Erler in Utting am Ammersee anläßlich eines Atelierfestes die Töchter des Verlegers und Druckereibesitzers Josef Huber aus Dießen/Ammersee kennen. Bald wurde Maria Huber, einer der beiden Blondinen des Atelierfestes, seine Gattin und Thöny war der Trauzeuge.

München, Dießen am Ammersee und die Fraueninsel im Chiemsee waren örtlich die Zentren seines Lebens. Die Pole Naturwissenschaft und Kunst bestimmten sein Wirken und Schaffen. Der Zweite Weltkrieg hat die Wohnung, Staatsatelier und das Privatatelier in München und damit einen großen Teil der künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten von Prof. Dr. med. h. c. Fritz Skell zerstört. Nach dem Kriege versuchte er durch neue Bilder, neue Schmetterlingszüchtungen und mit neuen Präparaten für die Mikroarbeit die verlorenen Bestände seines Schaffens wieder aufzufüllen."

Unveröffentlichtes Manuskript eines unbekannten Autors aus dem Nachlaß Fritz Aigners.


  Inselabend
Öl/Leinwand | 1953 | 70 x 100 cm
Zarte Pracht
Öl/Karton | 1949 | 50 x 73 cm
Seeforelle aus dem Chiemsee (30-pfündiger Chiemseelachs)
Öl/Karton | 1947 | 70 x 90 cm
Schmetterlinge
Öl/Karton | um 1950
Herbstabend (Birkenallee bei Diessen am Ammersee)
Öl/Karton | 1947 | 67 x 50 cm