Karl Meisenbach

 


Eine Auswahl vergangener Ausstellungsexponate


Karl Meisenbach
1898 Nürnberg - 1976 München


"Ein Werk der deutschen Moderne

[...]
»1940 übersiedelten wir an den Chiemsee (Rimsting). Es war Sommer. Oben auf dem Balkon malten mein Vater und ich jeweils ein Ölbild von einem Feldblumenstrauß... Im nächsten Jahr lebten wir in der Feldwies. Mein Vater malte viel, bis es dort wegen Einquartierung nicht mehr ruhig war und er sein Atelier auf dem Speicher verlor... Daraufhin zogen wir nun ins Gebirge, ins Achental...«
Die aufliegende Monografie, aus der hier zitiert ist, vermittelt Hintergründe zu einem Kapitel deutscher Kunst- und Zeitgeschichte: den politischen Eingriff in den Freiraum einer Persönlichkeit, die ausschließlich Maler war, von 1937 bis 1945 als »entartet« galt, was ein Ausstellungsverbot, Not in zweifacher Weise, bedeutete. 1945 findet in Prien eine der ersten beiden Kunstausstellungen nach dem Krieg statt. Darunter Meisenbachs damalige, noch ganz von seinem Akademielehrer Karl Caspar geprägte Sicht: in kräftigen, expressiv verdichteten Farben, jedoch noch ganz der Naturerscheinung folgend, teilt sich inneres Sehen mit. Als Mitglied der Münchner Neuen Sezession befindet er sich  1925 in Gesellschaft der Revolutionäre, die noch zu den deutschen Klassikern der Moderne zählen. Es sind: Barlach, die Caspars, Heckel, Hofer, Klee, Kokoschka, Pechstein, Purrmann.
Obwohl lebenslang mit Karl Caspar und Maria Caspar-Filser befreundet, sind Meisenbach und Josef Berg vielleicht die einzigen, jedenfalls die bedeutendsten Schüler, die später absolut eigene Wege gehen. Der gebürtige Nürnberger Meisenbach, dem die Stadt 1928 den Dürerpreis verleiht, findet früh zur expressiven Abstraktion, unter deren Einfluss die Hauptwerke der Kunst des 20. Jahrhunderts entstehen. Reduzierend sucht Meisenbach nach der organischen Urform.
[...] Marianne Lüdicke erinnert sich: »Karl Meisenbach war ein ernster Mann.« Nicht nur sein Spätwerk, sondern auch er selbst als Persönlichkeit ist mit Miró wahlverwandt. Beide waren sie von düsteren Gesichten geplagt, die nicht in den Bildern aufscheinen. Es ist eine lichte Spur, die das Werk aufzeichnet. Nur, die Hieroglyphen des Spaniers sind naiver, fantastischer als die Metaphern dieses deutschen Malers, der einem diktierten Zeitgeist widerstanden hat."


Hans Heyn
(In: Heyn, Hans: Ein Werk der deutschen Moderne. Prien erinnert an den Maler Karl Meisenbach, in: OVB (19.05.2000).)

Foto Karl Meisenbachs entnommen aus: Kat. Ausst. "Karl Meisenbach. 1898-1976. zum 100. Geburtstag - WEG-", hrsg. v. Meisenbach-Baron, Uta, München 1998, S. 4.

Heumandl in der Feldwies
Öl/Leinwand | 1941 | 61,5 x 82 cm

Voralpenlandschaft
Öl/Leinwand | 1938 | 76 x 95 cm

Le Port (St. Tropez)
Öl/Leinwand | um 1950 | 65 x 81 cm
Winter im Gebirge
Öl/Leinwand | um 1950 | 70 x 90 cm
Sonnenblumen im Achental
Öl/Leinwand | 1942 | 72 x 95 cm
Stillleben mit Zitronen
Öl/Leinwand | um 1960 | 55 x 90,5 cm
Bei Stöttham am Chiemsee
Öl/Leinwand | 1936 | 73 x 100 cm
Stillleben mit Blumen
Öl/Leinwand | um 1948 | 120 x 80 cm
  Im Achental
Öl/Leinwand | 1943 | 76 x 95 cm
"Espana"
Öl/Leinwand | 1953 | 80 x 70 cm