Oskar Mulley

 


14. September bis 6. Oktober 2013

Ausstellung der Inselgalerie Gailer GbR in der Städtischen Galerie Rosenheim


Oskar Mulley
1891 Klagenfurt - 1949 Garmisch-Partenkirchen


Bergwelten

„Für einen Künstler bietet Kufstein […] wohl sehr wenig. […] So bleibe ich lieber vorläufig intendiert, und suche den für meine Ideen in Betracht kommenden spärlichen Motiven etwas abzuringen. Da sich leider bisher noch kein Mäzen gefunden hat, vergreift man sich doch ab und zu auf die malerische Vergewaltigung der Festung und auf das Kaisergebirge – der gangbarste Verkaufsartikel. Dass mich diese Motive drohend in schwere Träume verfolgen, ist ja einleuchtend für alle jene, die mein Streben und meine Ideen verstehen. Doch die ´Küche´ zwingt mich, die erwähnten Motive noch des Öfteren zu benutzen.“[1] Diese Aussage Oskar Mulleys zeugt von seinem Unmut über den Umzug  nach Kufstein im Jahre 1918. Die Gebirgsmassive, die ein Charakteristikum seiner späteren Darstellungen bilden, wirkten zu anfangs nur bedrohend auf den am 21. April 1891 in Klagenfurt geborenen Künstler.

Die folgenden, künstlerischen Jahre sind geprägt von einer stilistischen Unsicherheit und dem Suchen eines idealen Motives. Aufgrund Mulleys deutlich artikulierte Distanz zur reinen Oberflächenästhetik stößt der Zwang, scheinbar oberflächliche Postkartenmotive zu malen bei dem Kärntner auf Missfallen. Somit ist es gleichfalls eine Suche nach seiner künstlerischen Identität inmitten einer neuen Umgebung nach dem Ersten Weltkrieg, der die gewohnten gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse sprengte, die seinen künstlerischen Werdegang in dieser Zeit beherrscht.

Erst ab Mitte der 20er Jahre entstanden die kraftvollen Gebirgs-Gemälde Mulleys, für die er später berühmt werden sollte. „[S]ein Streben und [s]eine Ideen“  fanden somit auch in den ihm ursprünglich wenig zusagenden Motiven seine Ausdrucksform. Dies schlägt sich auch in seiner formalen Gestaltung nieder. Mulleys Orientierung am dekorativen Jugendstil der Wiener Secession, nahe gebracht durch seinem früheren Lehrer an der Wiener Akademie der Bildenden Künste Rudolf Jettmar, und dem Spätimpressionismus bringt er mit einer pastosen,  geradezu haptischen Spachteltechnik zur eigenen Vollendung, die den Bildern eine ganz eigene Tiefe verleihen. Seine Komposition ist in dieser glanzvollen Schaffensphase bis  Ende der 30er Jahre stets von Monumentalität geprägt. Gewaltige Gebirgsmassive ragen über den wenigen Zeugnissen menschlicher Existenz auf und lenken den Blick des Betrachters nach oben.

Im Oeuvre des Kärntners steht die Natur im Zentrum. Ihr Dasein als bloße Kulisse streift sie bei Mulley ab. Sie ist frei jeder menschlichen Figuration. Überdies stellen sich die architektonischen Darstellungen von Berghöfen und -Kapellen weniger als Fremdkörper dar, sondern fügen sich vielmehr in die Formsprache der Landschaft mit ein. Mensch und Natur stehen in Einklang, obgleich die Stellung Letzterer konstant  ihre primäre Bedeutung behält.

Mit seiner kraftvollen, breiten Spachtelführung, der monumentalen Komposition, die aus seiner ganz eigenen Betrachtungsweise entspringt, und Mulleys spezieller Wirkungsabsicht begründen die Beliebtheit der aus dieser Zeit stammenden Werke, die bereits in der Zeitgenossenschaft Anerkennung fanden, wie die zahlreichen Auszeichnungen – die Österreichische Goldene Staatsmedaille für Landschaftsmalerei, die Königlich Ungarische Staatsmedaille in Gold, die Silberne Medaille der Stadt Graz und der Wiener Volkspreis - oder die überaus wohlwollende Presse belegen: „ […] Wohl die meisten werden die eine oder andere der dargestellten Örtlichkeiten aus getreuer Erinnerung mit dem Bilde vergleichen […] und so die Eigenart Mulleys auch nach dieser Seite zu würdigen vermögen: wie er das Geschaute bei aller Naturgetreue selbstständig künstlerisch verarbeitet, kleinlichen Beiwerks entkleidet und so den Eindruck des Wesentlichen steigert und vertieft […]“ (Tiroler Anzeiger).

Jahre später, nach seinem Umzug nach Garmisch-Partenkirchen 1934 kehrt er langsam vom diesem Stil ab. Nachwievor auf künstlerisch hohem Niveau ist es doch sein stilistisches Alleinstellungsmerkmal, das er zugunsten einer feineren Pinselmalerei im Stile Barbizons aufgibt.

Oskar Mulley stirbt am 15. Januar 1949 in Garmisch-Partenkirchen.

Franz Emanuel Maria Gailer


[1] Oskar Mulley: Eines Künstlers Leben und Streben, in: Tiroler Anzeiger (30.5.1921), Innsbruck 1921.

Foto Oskar Mulley entnommen aus: Günther Moschig, Oskar Mulley, Schwarzach 1991

Sonderausstellung Oskar Mulley
2013 in der Städitschen Galerie Rosenheim
Sonderausstellung Oskar Mulley
2013 in der Städtischen Galerie Rosenheim
Oscar Mulley | Durchblick

Durchblick
Öl/Leinwand | um 1935 | 80 x 135 cm

Oscar Mulley | Berghof vor Gletscherlandschaft

Berghof vor Gletscherlandschaft
Öl/Leinwand | um 1930/32 | 120 x 100 cm

Oscar Mulley | Am Hochjoch

Am Hochjoch
Öl/Leinwand | 1942 | 140 x 220 cm

Oscar Mulley | Im Hochtal

Im Hochtal
Öl/Leinwand | um 1935 | 130 x 109 cm  

Oscar Mulley | Marterl im Hochgebirge

Marterl im Hochgebirge
Öl/Leinwand | um 1928 | 45 x 80 cm

Oscar Mulley | Vinschgauer Bergbauernhof

Vinschgauer Bergbauernhof
Öl/Leinwand | um 1938 | 80 x 120 cm

Oscar Mulley | Winternacht im Bergdorf

Winternacht im Bergdorf
Öl/Leinwand | 1925 | 30 x 40 cm

Oscar Mulley | Hochleger am Bergwald

Hochleger am Bergwald
Öl/Leinwand | um 1938 | 129 x 110 cm

Oscar Mulley | Erker

Erker
Öl/Leinwand | um 1928 | 72 x 118 cm