Edward Harrison Compton

 

24. Mai bis 06. Juli 2014
Ausstellung der Inselgalerie Gailer GbR in der Inselgalerie Frauenchiemsee


Edward Harrison Compton
1881 Feldafing/Starnberger See - 1960 ebenda


Reiseimpressionen und Vogelmotive in Aquarell und Öl
 
                                                                                                    
In Feldafing am Starnberger See trägt das Künstlerhaus der Familie Compton den ungewöhnlichen Namen „Dennoch“. Die Verwendung dieses Adverbs, das die Widersprüchlichkeit zweier Sachverhalte andeutet, gleichzeitig aber auch deren gegenseitige Korrelation verdeutlicht, ist mehr als unkonventionell. Nichts anderes ist aber auch vom Leben Edward Harrison Compton zu behaupten, der diese Bezeichnung aus Trotz zu den vielen Widrigkeiten seines späteren Lebensverlaufs wählte.

Als Sohn des berühmten Gebirgsmalers Edward Theodore Compton, der 1867 aus England in deutsche Gefilde emigrierte und der aufgrund seiner Begeisterung für die Gebirgslandschaft einen Großteil seines Lebens den Alpen widmete, verbrachte Harrison eine glückliche Kindheit in seinem Geburtsort Feldafing. Auf den Weg zur Kunst verschlug es den jungen Compton bereits sehr früh. Regelmäßige Besuche in die großen Museen Münchens gehörten zu den typischen Ausflügen die Edward Theodore Compton mit seinen Kindern unternahm. Auch auf seinen Bergtouren begleitete ihn Harrison mehrfach. Das Talent seines Sohnes für die Malerei wurde ihm bei diesen Wanderungen alsbald gewahr. Theodore unterstützte seinen Sohn nach bestem Gewissen. Nach einer erstmaligen Ausbildung bei seinem Vater, bei der Kritik und Anerkennung Hand in Hand gingen, wurde Harrison in der Kunstgewerbeschule - in der Klasse für figürliche Malerei und Zeichnung - in London aufgenommen, die er von 1903 bis 1907 besucht. Besonders die Aquarelle Harrisons zeugen von dem bedeutenden Einfluss dieser Lehrzeit. Zurück in Deutschland verschlug es Edward Harrison Compton erneut in die Berge. Die Begeisterung seines Vaters für die naturgewaltigen Bergmassive hatte sich auf den Sohn übertragen. Zwar sind noch einige weitere Motive der Trienter Landschaft, des Starnberger Sees oder des Chiemsees in Harrisons umfangreichem Oeuvre zu finden – seinen Lebensunterhalt verdiente er schließlich unter anderem als Buchillustrator und Postkartenmaler - doch stellen die Alpen das vornehmliche Sujet seiner künstlerischen Ausübung dar. Die Leidenschaft Edward Harrison Comptons‘ hatte aber nicht nur Auswirkung auf die Themenfindung, sondern ebenso auf seine Malweise. „Wähle nur das, was Du erkannt hast, denn wenn Du eine Wolke vorbeiziehen siehst und nur einen Augenblick zögerst, ist alles vorbei.“, schrieb Harrison die Maxime seines früheren Lehrers Gerbing auf der Rückseite eines Aquarells nieder. Um das Wesen der Landschaft zu fassen, waren Spontanität und ein fließender Pinselstrich, der das Motiv in wenigen Zügen entwirft, die grundlegenden Prinzipien seiner Malkunst. Die eindrucksvollen Impressionen, die im Besonderen von dieser Spritzigkeit rührt, stehen hierbei im Kontrast zu den Werken seines Vaters. Das Augenmerk Edward Theodore Comptons auf den dramaturgischen Aufbau setzt den Akzent bewusst auf das Bergmassiv. Diese kategorische Einteilung des Gemäldes teilt Harrison nicht. Die Harmonie herrscht über die Individuen des natürlichen Schauspiels. Mensch und Tier sind in seinen Werken gleichfalls nichts als Staffagen, die den herausragenden Rang der Natur unterstreichen. Seine vielen Reisen, die ihn auch ab der Alpen führten, wurden jedoch jäh unterbrochen. Edward Harrison Compton erlitt eine spinale Kinderlähmung, die ihn fortan an den Rollstuhl fesselte. Längere Bergtouren wurden für ihn zur Unmöglichkeit. Doch malte er weiter seine Berge. Seine vorher angefertigten Skizzen wurden zu seinen neuen Arbeitsvorlagen. Die Alpen als Objekt seiner Sehnsucht fanden in künstlerischen Darstellungen, vormalig mittels Zeichnungen, ihren Ausdruck. Als die Lähmung seine rechte Hand erreichte, führte Harrison seine Arbeit mit ebenbürtiger Präzision mit der Linken weiter. Die ungebrochene Willensstärke des oberbayrischen Malers mit britischen Wurzeln gab schließlich seinem Künstlerhaus in Feldafing seinen Namen: „Dennoch“ – den Umständen zum Trotz. Die Begeisterung, die Harrison mit seiner Malerei verband, ist noch heute in seinen Bildern zu erkennen.

„[Seine Werke] sind beste Landschaftsmalerei, wahrheitsgetreu in der Darstellung, liebenswert im Detail, mit dem Streben zum Eindrucksvollen […]“.[1]

Edward Harrison Compton starb 1960 in Feldafing an der Kinderlähmung.

Franz Emanuel Maria Gailer



[1] Ernst Brent, E. T. Compton und Sohn Harrison, Katalog, München 1985, S. 5.

Blick von den Hammersbacher Wiesen auf den Waxenstein bei Garmisch
Öl/Leinwand | 1919 | 51 x 61 cm

Winter an der Rohntalalm im Karwendel
Öl/Leinwand | 1917 | 86 x 130 cm

Kastanienblüte in Feldafing (heute Golfplatz)
Öl/Leinwand | um 1930 | 69 x 90 cm
Winter am Starnberger See
Öl/Leinwand | 1906 | 70 x 110 cm
Fraueninsel - Ostufer
Aquarell | um 1913 | 19 x 32 cm
Chiemseeplätten
Aquarell | um 1913 | 19 x 32 cm
Auf Frauenwörth mit Klosterwirt
Aquarell | 1918 | 19,5 x 31 cm
Der Ziegenrücken im Siebengebirge
Aquarell | 1920 | 21 x 31,5 cm
Wasserfall in Brasilien
Aquarell | 1936 | 36,5 x 26,5 cm
Chiemseeplätten am Ufer
Aquarell | um 1913 | 19,5 x 32 cm
Blick von der Krautinsel zur Fraueninsel
Aquarell | 1913 | 19 x 32,5 cm
Stöberleinsturm in Rothenburg ob der Tauber
Aquarell | 1907 | 28,5 x 20,5 cm
Koboldzeller Tor in Rothenburg ob der Tauber
Aquarell | 1908 | 20 x 30 cm
Campanile von Frauenchiemsee
Bleistift, weiß gehöht | um 1913 | 19,5 x 32 cm
Blick durch den Torbogen auf Frauenchiemsee
Aquarell | 1913 | 20 x 32 cm
Münster und Campanile auf Frauenchiemsee
Bleistift, weiß gehöht, mit Farbangaben | um 1913 | 19 x 28 cm
Ausgetrockneter Gebirgsbach
Aquarell | 1901 | 25,5 x 36 cm
Prossau im Vorarlberg
Aquarell | 1913 | 16,5 x 31,5 cm
Kötschachtal
Aquarell | 1906 | 20,5 x 31,5 cm
Fraueninsel - Westufer
Aquarell | 1913 | 19,5 x 32,5 cm
Singdrossel
Aquarell | um 1945 | 21 x 16 cm
Wacholderdrossel
Aquarell | 1945 | 26 x 19,5 cm
Schleierkauz
Aquarell | 1944 | 30,5 x 22 cm
Wiedehopf
Aquarell | 1945 | 26,5 x 16,5 cm
Steinkauz
Aquarell | 1944 | 22 x 16 cm
Goldammer
Aquarell | 1945 | 18,5 x 14,5 cm
Rothenburg ob der Tauber
Öl/Leinwand | um 1930 | 49 x 68 cm
Schneekoppe
Öl/Leinwand | um 1930 | 61 x 81 cm