Noble Gäste | Arnold Balwé

 


Arnold Balwé

29.03.1898 Dresden
20.01.1983 Prien am Chiemsee

Zelt im Garten (Feldwies)
Öl auf Leinwand, 78 x 100 cm
Unten halbrechts signiert: Balwé (um 1955)
Rückseitig auf der Leinwand signiert und betitelt: A. Balwé Zelt im Garten II

„So, mei Ruah möchte‘ i jetzt hamm […]“, mag sich die Person im Werk Zelt im Garten wohl gedacht haben.[1] Man könnte ihr es kaum verdenken. Die Idylle des weitläufigen, in sommerlicher Blütenpracht erstrahlenden Bauerngartens lädt zu einem kurzen Innehalten und Entspannen geradezu ein. Tatsächlich stammte der Ausdruck vom Künstler des Gemäldes. Die Intention des niederländischen Malers Arnold Balwé war jedoch gänzlich anderer Natur: „[…] malen, nur malen, muss ich.“[2]

Mutmaßlich ist es seine Gattin, die Künstlerin Elisabeth Balwé-Staimmer (1896-1973), die hier beim Müßiggang in ihrem Garten in Feldwies ertappt wurde. Doch ist dies nicht klar ersichtlich. Die künstlerischen Werke Arnold Balwés bilden sich auf dem Ereignis der Farbe. Konturen sind ihr nur untergeordnet. Dies in Verbindung mit seinem kräftig pastosen, expressiven Farbauftrag, den er gerne kontrastreich zu gebrauchen pflegte, wurde nicht selten In Bezug zu Vincent Van Gogh gebracht, dessen glühender Verehrer Balwé war.

Er war ein „Augenmensch“[3], der die Natur in ihren kraftvollsten Farben sah. Direkt aus der Tube auf die Leinwand musste das Kolorit aufgetragen werden. Balwés Kunst ist eingängig, energiegeladen und lebhaft. Aus ihr sprudelt die Lebensfreude eines begeisterten Künstlers, der seiner Passion jede freie Minute widmete. Nur gestört wollte er eben nie werden: „So, mei Ruah möchte‘ i jetzt hamm, malen, nur malen, muss ich.“[4] Selbst auf seinem Anwesen in Feldwies gab es für seinen Geschmack zu viel Ablenkung.

 

Franz E. Gailer j.



[1] Arnold Balwé, in: Henne, Gerd: Die Balwe’s. Erinnerungen an die Chiemseemaler, Unveröffent. Manuskript, Ludwigshafen 1999, S. 24.
[2] Ebd.
[3] Ebd., S. 22.
[4] Ebd., S. 24.